CoLab@re:publica’12: Der große Rückblick

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Drei Tage waren Expertinnen und Experten aus dem Internet und Gesellschaft Collaboratory (CoLab) aktiv auf der Konferenz re:publica’12, die dieses Jahr in der Station Berlin stattfand. Dass es dort kein Internet gab tat der Veranstaltung zwar nicht gut, aber hat der Qualität der Diskussionen dort keinen (sagen wir mal wenig) Abbruch getan. Hunderte Teilnehmer führten dort einen spannenden Diskurs über alles Digitale. Wie in unserem Blogeintrag vor zwei Wochen angekündigt, waren wir mit einigen Aktivitäten in der Tasche dort aufgekreuzt. Hier ein kurzer Überblick über Ergebnisse, mit Ausblicken, Fotos, und weiterführenden Links.

Die Idee des Staats als Betriebssystem, des „Government as a Platform“ (nach O’Reilly), stellten wir in einer Paneldiskussion am ersten Tag zur Debatte, und versuchten der Frage näher zu kommen, was der Umsetzung eines solchen Leitgedankens im Wege steht, an welcher Stelle wir uns gesellschaftlich, politisch, rechtlich und technisch befinden, und wo Chancen und Risiken bestehen. Es diskutierten Dr. Philipp Müller, Business Development Director bei CSC, Mitglied im CoLab Lenkungskreis und Autor des soeben erschienenen Buches „machiavelli.net – Strategie für unsere offene Gesellschaft„, sowie Marianne Wulff, Geschäftsführerin von Vitako, dem Bundes-Arbeitsverband der kommunalen IT-Dienstleiter, sowie Johannes Abel, init AG, und eingesprungen für Jean-Pierre Winter, Government 2.0 Netzwerk Deutschland: Sebastian Haselbeck, Internet & Gesellschaft Co:llaboratory. Moderiert wurde das Panel von David Roos, ebenfalls CSC, und Koordinator der Arbeitsgruppe Open Government des CoLab. Die Diskussion machte klar, dass das Internet, oder die Technik im weitesten Sinne, nicht der Bremsklotz von einer smarteren Verwaltung und Politik ist, sondern der zu vollziehende kulturelle Wandel und die Komplexität der deutschen Verwaltungsstruktur allgemein, aber auch politische Machstrukturen und Herrschaftsdenken im speziellen. Interessante Beispiele (nicht nur aus dem Ausland) machten deutlich, dass der Plattformgedanke an manchen Stellen sogar schon realisiert ist.

Besonderes Highlight war natürlich die Vorstellung der Ergebnisse unserer 5. Initiative. Die Expertengruppe hatte sich drei Monate mit einem sehr aktuellen und brisanten Thema auseinandergesetzt und den Abschlussbericht „Menschenrechte und Internet: Zugang, Freiheit und Kontrolle pünktlich zur re:publica vorgestellt. Der Band ist ab sofort online und auch in Druckform erhältlich, 400 Exemplare alleine fanden auf der Konferenz ihren Weg in die Hände interessierter Konferenzteilnehmer, unter anderem am Stand des offiziellen Menschenrechtslogos, welches wir auch als Motif für das Cover benutzen. Hinzu kamen der offizielle Launch der internationalen Videoblogging Kampagne irrepressiblevoices.org und eine fiktive Botschaft des Zentrums für Politische Schönheit in Form einer Ansprache vor der UN Vollversammlung, in der unter anderem „digitale Friedenstruppen“ angesprochen wurden, in mahnenden Worten, die auch die Teilnehmer an dieser Session erst einmal die Sprache verschlug. Viel zu oft vergessen wir, dass die digitale Welt eben vielerorts echte Auswirkungen hat, die sich nicht auf die online Welt beschränken. Den Bericht könnt Ihr hier nachlesen oder als PDF downloaden. Besonderer Clou dabei ist, dass wir in der Online Fassung längere Texte, erweiterte Kapitel, zusätzliche Aufsätze sowie Bild- und Videomaterial anbieten.

Paul Klimpel stellte auf einem kompetent besetzten Panel das Thema Erinnerungskultur und Recht auf Vergessen im Internet zur Debatte. Seine Gäste waren Dr. Eric Steinhauer, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen und einer der bekanntesten Bibliotheksjuristen Deutschlands, Börries von Notz, Geschäftsführende Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Dr Rainer Stentzel vom Bundesinnenministerium, Dr. Verena Metze-Mangold von der dt. UNESCO Kommission, sowie Dr. Erik Meyer, Journalist und Forscher. Klar war unter anderem, dass wir als Gesellschaft zwar noch nicht gut zurecht kommen mit den Auswirkungen von Internet und Digitalisierung auf das gesellschaftliche Gedächtnis, aber es auch unsinnig ist, online Dinge zu fordern oder versuchen umzusetzen, die in der Realität auch nicht passieren – Stichwort digitaler Radiergummi. Interessanterweise fand am 7.5. nach dem IGF-D auch eine Preisverleihung des Innenministeriums zum Thema „Vergessen im Internet“ statt, wo Jugendliche wirklich sehr interessante Konzept vorgestellt haben, u.a. für Privatsphäre im Netz.

Am Donnerstag Abend stellte Prof. Wolfgang Kleinwächter, unter anderem auch Herausgeber der MIND Discussion Papers, die Akteuere in der globalen Internet Governance vor und diskutierte auf dem Panel „Hacking the Map of Internet Governance“ aktuelle Entwicklungen zusammen mit Dirk Krischenowski von dotBerlin, Ralf Lesser vom Bundesinnenministerium, Annette Mühlberg von ver.di und Jennifer Paetsch von Liquid Democracy, unter anderem zu Open Governance, Entscheidungsfindungsmechanismen und der Transparenz der Internet Governance Akteure.

Foto: Ibrahim J. W. Ghubbar

Lorena Jaume-Palasi präsentierte am Freitag in einer sehr kurzen Session Konzepte der Online Dispute Resolution, unter anderem an Hand von Beispielen wie dem Ebay Community Court. Die Frage der außergerichtlichen Streitschlichtung beschäftigt nicht nur Onlinehändler, sondern beispielsweise auch die Wikipedia oder Plattformen wie YouTube und Facebook, die mit „Flagging“ eine qualitativ-quantiative Einstufung von Inhalten erreichen, aber noch an Mechanismen feilen sowohl die Mithelfer zu belohnen als auch bei Unklarheiten schnell zu gemeinverträglichen Lösungen zu kommen.

Am Donnerstag konnte eine Arbeitsgruppe um Jan Schallaböck, Frank Pallas und Gordon Süß, zusammen mit Softwareentwickler Markus Köbele, den Prototyp eines Offline Tagging Mechanismus vorstellen. Dabei sollte eine Bilderkennung Merkmale an Menschen erkennen, die signalisieren was derjenige der die Bilder macht, nachher damit tun darf. Sticker am Revers können dem Fotografen, bzw dem Algorithmus mit dem später die Bilder beispielsweise auf Google Plus hochgeladen werden, signalisieren ob man markiert werden will, oder nur hochgeladen, oder gar unkenntlich gemacht werden will. Dieses Konzept des Social Signaling ist dazu gedacht die Debatte anszustoßen – wer mitmachen will findet mehr infos unter offlinetags.net

In einem Workshop zu Digitaler Integration und Medienkompetenz stellten Jöran Muuß-Merholz, Kristin Narr und Luise Ludwig unter anderem die aktuellen Entwicklungen um Deutschlands erstes umfassendes Wiki zu Medienkompetenz Projekten vor, sowie ebenfalls eine Premiere, das Whitepaper Open Educational Resources für Schulen in Deutschland, dass Jöran zusammen mit Felix Schaumburg verfasst hat und in Version 1.0 im Netz verfügbar ist. Diese Anstrengungen sollen am Ende des Jahres in die 7. Initiative des Co:llaboratory münden einerseits, und andererseits die Aufmerksamkeit für OER in Deutschland erhöhen.

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Sebastian Haselbeck

Sebastian Haselbeck

Sebastian ist Geschäftsführer des Collaboratory e.V.

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