Wankas 5-Milliarden-Programm: Der große Sprung nach vorn auch für den ländlichen Raum?

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Bundesarchiv, B 145 Bild-F077869-0042 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

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Wir werden hier ab jetzt in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen auch Gastautorinnen zu Wort kommen lassen – mit Kommentaren zur aktuellen digitalpolitischen Nachrichtenlage bzw. zu technologischen Entwicklungen rund um Internet & Gesellschaft, über die wir (mehr) nachdenken und reden sollten. Kommt gerne auf uns zu mit Euren Themen, die Ihr zur Diskussion stellen möchtet.

Martin Lindner (@martinlindner) macht den Anfang und kommentiert den „DigitalPakt#D“ – die jüngst angekündigte Bildungsoffensive des BMBF.

Die Ankündigung der Bildungsministerin Wanka, 5 Milliarden Euro zu investieren, um alle 40.000 deutschen Schulen bis 2021 mit Breitband-WLAN in jedem Klassenzimmer auszustatten, hat große Wellen geschlagen. „Wir müssen einen großen Sprung nach vorn machen,“ sagte Wanka letzte Woche — eine Anspielung auf Maos berühmtes Modernisierungsprogramm von 1958, das unter diesem Motto stand.

Wohlgemerkt: Das ist eine Absichtserklärung, die erst nach der Wahl eingelöst werden kann. Da kann sich noch viel ändern, und es steckt viel komplexes politisches Tauziehen dahinter. (Der Bildungsjournalist Christian Füller fasst das sehr schön zusammen.) Und es haben sich auch viele kritische Stimmen zu Wort gemeldet: Das Programm sei gut, aber zu es sei viel zu wenig Geld, sagt die Bertelsmann Stiftung. Der Bildungsexperte Jöran Muss-Merholz stellt dazu eine Reihe von guten Fragen.

Andererseits sind sich aber alle einig, dass dieser große Sprung an deutschen Schulen wirklich nötig ist, und es wird schwer sein, hinter diese vollmundige Ankündigung zurückzufallen. Was heißt das für die Regionen außerhalb der städtischen Ballungszentren?

(1) Es geht um Geld für die konkrete Breitband-Infrastruktur. Wie kann man dafür sorgen, dass das regionalen IT-Firmen zugute kommt? Das setzt vor allem voraus, dass man sich das Knowhow über möglichst preiswerte, technisch nachhaltige, gut zu pflegende Vernetzungsprojekte an Schulen verschafft. Der niedersächsische Lehrer Maik Riecken, der seit 5 Jahren als Berater regionale Schulen bei der Vernetzung unterstützt, schätzt die Kosten auf etwa 8000 € pro Klassenzimmer, wenn man es richtig anfängt. Bei 125.000 € pro Schule wären das etwa 12 Klassenzimmer, falls man noch Geld für Weiteres reserviert.

(2) Dazu zählt vor allem auch die Unterstützung für Regionale Kompetenzzentren Digitalisierung. Es heißt ausdrücklich: „Das BMBF unterstützt Kommunen und Bildungseinrichtungen dabei, vor Ort Digitalisierungsstrategien für Bildung zu entwickeln, Erfahrungen auszutauschen und gute Praxis in die Breite zu tragen. Geplant sind deutschlandweit bis zu zwanzig dieser Kompetenzzentren.“ Solche Kompetenzzentren sind eine große Chance, die Dynamik in die ganze Region zu tragen.

Tatsächlich sind ja gerade die Schulen sehr wichtig für das Profil einer Region: Die begehrten jungen Familien mit Zukunftsberufen ziehen nicht zuletzt dann zu (oder nicht weg), wenn sie das Gefühl haben, dass ihren Kindern hier die besten Zukunftschancen geboten werden. Ein zentrales Argument ist hier gerade die Digitalisierung der Schulen, die unweigerlich auch den ganzen pädagogischen Stil verändert. Eine Region, der es gelingt, die Kommunen, die Schulträger und die Schulen selbst für diese Herausforderung zu sensibilisieren, hat einen wichtigen Vorsprung gewonnen.

Die große Welle der Schul-Digitalisierung wird erst im nächsten Jahr kommen, aber je früher man das angeht, desto besser. Dann kann man das Schul-Thema auch nutzen, um das Bewusstsein für die Digitalisierung in regionalen Unternehmen und Verwaltungen anzustoßen. Mit Schulen haben alle Bürger und Bürgerinnen zu tun. Die Signalwirkung ist immens. Das Gespräch über Schule verbindet Nachbarschaften und Kommunen mehr als politische Fragen.

Es gibt keine Zeit zu verlieren. Wenn der Prozess Anfang 2017 anläuft, hat man die Zeit, die es braucht, um einen selbsttragenden Schwung zu erzeugen. Digitalisierung ist zuerst ein Kommunikationsprozess, und erst in zweiter Linie eine Frage der technischen Details. Die Zahl von 5 Milliarden, die im Raum steht, wirkt wie ein Weckruf. (Selbst wenn es gar nicht so üppig ist, wie es klingt.)

Welche konkreten Schritte bieten sich als Erstes an? Welche Informationen brauchen Regionen, Kommunen , Schulträger und Schulen, die hier aktiv werden wollen? Mit welchen praktischen Herausforderungen müssen sie sich auseinandersetzen? Wie kann auch das CoLab im Rahmen der Schwerpunktsetzung (Digitalisierung im außerstädtischen Raum) hier Unterstützung leisten? Was wird am dringendsten gebraucht? Diesen Fragen muss nachgegangen werden.

Autor: Martin Lindner – @martinlindner

Wir freuen uns auf Eure Ideen und Anmerkungen hierzu in den Kommentaren.

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Resa Mohabbat Kar

Resa Mohabbat Kar

Geschäftsführer I&G Collaboratory

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2 Antworten

  1. Gestern Abend las ich in der Biografie von John Cornwell (auch bekannt als John le Carré), dass er nach Unterbrechung seines Studiums in Oxford, als Lehrer an die Millfield-Schule in Glastonbury in Somerset ging. Er hatte vorher auch die Schule geschmissen (premature), um in der Schweiz ein Jahr Deutsch zu studieren und im deutschsprachigen Umfeld seinen Militärdienst abzuleisten. Damals ging das, dass man ohne Abschluss an einer Eliteschule unterrichtete.
    Neugierig wegen der ländlichen Lage (das Musikfestival in Glastonbury findet oft im Schlamm mitten in der Natur statt – http://www.glastonburyfestivals.co.uk/) sah ich in Google Maps nach, wo das Kaff mit der Schule ist (während eine Journalistin, die dafür kämpft dass in deutschen nationalen Klassenzimmer Bildschirme zu verschwinden hättet und feuchte Augen bekam als sie ihren Diercke-Atlas im Keller fand, den sie offenbar auch nicht nutzt – http://www.tagesspiegel.de/politik/digitalpakt-fuer-schulen-rettet-die-bildschirmfreien-klassenzimmer/14712278.html) . In Google Maps fand ich auch den Link zur Schule. Die ist nicht billig, privat, aber gut ausgerüstet. Auf der Seite über digitales Lernen solltet Ihr Euch den Film ansehen: http://millfieldschool.com/senior/academic/digital-learning.
    Auch wenn man Abstriche macht, dass das eine Upper-Class-Schule ist und es auch nicht immer Apple iPads sein müssen (ich habe ein Samsung Tablet für 200 € neben Apple- und Windows-Devices), aber mich hat das begeistert. Die Kids da werden für die Zukunft fit gemacht, während wir seit „Schulen ans Netz“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Schulen_ans_Netz) noch nicht wirklich aufgeschlossen haben.
    Zieht Euch also warm an: wir haben Heerscharen in Deutschland von Zweiflern, Saboteuren, Zersetzern haben, die uns wieder behindern werden wollen. Kinderlose Pensionäre, denen die Fahrt mit Studiosus wichtiger ist als das Investment in unsere Kids, damit die unseren Wohlstand erhalten können und Spaß dabei haben. Auf dem Land und in der Stadt.

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