Engagiert im CoLab – 5 Fragen an Ulrich Herb

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Ulrich Herb

Das CoLab ist eine offene ExpertInnen- und Interventionsplattform, in dem die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven betrachtet und mit möglichst vielen Stakeholdern diskutiert werden sollen – interdisziplinär und praxisbezogen. Doch wie funktioniert das? Heute fragen wir Ulrich Herb – Experte der 3. Initiative.

In welcher Initiative des CoLab hast du dich engagiert?

Ich war am dritten CoLab zum Komplex „Urheberrecht für die Informationsgesellschaft“ beteiligt. Mein Anliegen war es, die Sichtweise der Wissenschaft in die Urheberrechtsdiskussion einzubringen. Hier ist es immer noch üblich, dass Autoren – ohne dafür entlohnt zu werden – alle Rechte an einer Publikation an Verlage abtreten. Diese verkaufen den Content dann mit meist hohen Gewinnmargen an Universitäten weiter. Kurzum: In ihrer Entstehung mit öffentlichen Mitteln geförderte Texte werden entgeltfrei an Verlage gegeben, nur um von den Universitäten wiederum mit öffentlichen Budgets zurückgekauft zu werden. Solange die urheberrechtlichen Reglungen diesen vollumfänglichen Verzicht der Verwertungsrechte zugunsten von Verlagen zulassen, wird die freie Zirkulation öffentlich geförderter Wissenschaft behindert.

Was genau hast du innerhalb der Initiative gemacht?

Konkret arbeiteten wir beispielsweise an drehbuchartigen Skripts, die letztlich auch im Abschlussbericht des CoLabs aufgingen. Diese sollten vor allem die Multidimensionalität der Urheberrechtsthematik und die Vielschichtigkeit der Interessen und Argumentationen so ausgewogen wie möglich darstellen. Die Arbeit an den Skripten war äußerst intensiv und von reichhaltigen Diskussionen geprägt. Darüber hinaus fällt mir spontan die Erstellung einer Knowledge Base ein, die ich selbst als sehr hilfreich empfand.

Wie empfandest du das Konzept des Multi-Stakeholder-Dialogs?

Ganz generell fand ich den Austausch immens bereichernd. Überraschenderweise waren die Diskussionen nicht nur anhand vorhersehbarer Konfliktlinien sehr tiefgehend, z.B. zwischen Kreativen (zu denen ich mich als Wissenschaftler und freiberuflicher Journalist auch zähle) und Contentbereitstellern (wie Labels, Verlage) – auch unter den Contentproduzenten oder Kreativen waren die Sichtweisen teils sehr divergent. Ich erinnere mich noch gut, dass ich mich bei einem physischen CoLab-Treffen in die Rolle eines Softwarentwicklers versetzen musste, der Perspektivwechsel war ungeheuer lehrreich.

Was nimmst du von deinem Engagement im CoLab mit?

Zu meinen nehme ich die Urheberrechtsthematik seit der Teilnahme am CoLab differenzierter wahr, ich habe also schon einiges dazu gelernt. Zum anderen fand ich den CoLab-Prozess und – wie man aus der Antwort auf die vorherige Frage schließen kann – besonders den Multi-Stakeholder-Dialog sehr stimulierend. Dazu kommen quasi sekundäre Gewinne, denn ich lernte einige interessante Akteure kennen, eine Verbindung mündete in eine sehr originelle wissenschaftliche Publikation.

Würdest du dich wieder engagieren, vielleicht auch zu anderen Themen?

Ja, ohne Zweifel. Die auf das dritte CoLab folgenden Runden habe ich mit Interesse verfolgt, von einer Teilnahme habe ich jedoch mangels Expertise abgesehen. Sollte sich ein CoLab zu Themen formieren, zu denen ich ein Beitrag leisten könnte, würde ich sicher versuchen ein Engagement einzurichten.

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Janina Gera

Janina Gera

Publishing & Outreach, Collaboratory e.V.

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