Unser Rückblick auf die re:publica 2013

Weitersagen:Share on LinkedInTweet about this on TwitterShare on FacebookBuffer this pageShare on Google+
Colab-Stand auf der re:publica 13 (Bild: Tobias Schwarz, CC BY)

Auf der re:publica war das Co:llaboratory nicht nur mit einem Stand vertreten, der sich über das große Interesse der Konferenzteilnehmer freuen konnte, sondern auch durch seine Expertinnen und Experten fester Bestandteil der Veranstaltung. Ole Wintermann, Experte der kommenden 9. Initiative “Globalisierung und Internet”, hat für uns seinen Eindruck von seiner insgesamt schon vierten re:publica aufgeschrieben:


Die diesjährige re:publica war die insgesamt vierte Konferenz, an der ich teilnehmen konnte. Wenngleich vier Jahre nur einen Abschnitt der Entwicklung der re:publica insgesamt darstellt, kann man doch einige Entwicklungen erkennen, die positiv, kritisch oder einfach neutral zu bewerten sind und aus denen sich mögliche Verbesserungspotenziale (einer sowieso schon spannenden Veranstaltung) ergeben.

Positiv fiel auf, dass die Teilnehmer der re:publica grundsätzlich von positiver Motivation, Engagement, Offenheit, Kollaboration, Wertschätzung geprägt sind. Diese positive Grundstimmung finde ich auf keiner anderen Veranstaltung und Konferenz vergleichbarer Größe. Die Redner- und Themenliste ist bunt, ohne dass dies ins Belanglose umzukippen droht. Man hat nicht den Eindruck, passiver Teilnehmer einer Veranstaltung von immer gleich agierenden Interessenvertretern zu sein. Neben den vielen BarCamps im Laufe eines Kalenderjahres bietet für mich nach wie vor nur die re:publica das authentische Erlebnis, das Gefühl zu haben, bezüglich netzpolitischer Themen am Puls der Zeit zu sein. 

Wo so viel Licht ist, ist auch Schatten und so gibt es auch bei der re:publica ein paar Sachen kritisch zu hinterfragen. Die Größe der Veranstaltung führte dazu, dass die Raumplanung nicht immer gelang, was besonders bei Stage 1 (meist unterbelegt) und Stage 3 (oft überfüllt) auffiel und das es zunehmend Sponsoren gab, die zwar unter Kostengesichtspunkten notwendig ist, aber drohten den Charakter der Veranstaltung zu stören. Auch muss die Qualitätssicherung der Vorträge transparenter und stringenter erfolgen, denn die qualitative Bandbreite sowohl der Inhalte als auch der Vortragsmethode war sehr groß und ließ manche Ablehnung von eingereichten Sessionvorschlägen im Nachhinein fragwürdig erscheinen.

Die Vorträge haben für mich verschiedene Trends erkennbar gemacht. So nimmt zum einen das Thema Globalisierung an Bedeutung zu und wie dieses Phänomen politisch gestaltet werden soll, aber auch Fragen der modernen Arbeitswelt und den technischen und ethnischen Ebenen einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft, mit allem was dazu geört – von Cyborgs bis zur Überwachung – scheinen verstärkt in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Die Konferenzbesucher fragten sich: Wofür stehst du? Was treibt dich an? Wer bist du? Warum sollte ich dir zuhören? Es kann nicht schaden, sich diese Frage ab und an selbst zu stellen.

Mein Dank gilt dem engagierten Team der re:publica 2013 und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die es vermocht haben, dass man sich trotz der 4.000 Teilnehmer und der komplexen Agenda nie verloren gefühlt hat.“

Ole Wintermann, Experte der 9. Initiative “Globalisierung und Internet”

Ulrike Höppner und Kristin Narr (Bild: Tobias Schwarz, CC BY)

Und so sahen andere Colab-Experten die re:publica 2013:

Die re:publica 2013 zeigte dieses Jahr hauptsächlich die Heterogenität der digitalen Landschaft und integrierte Formate, die sonst von der Netzgemeinde ignoriert werden. Auch Diskussionen um Phänomene, die nicht spezifisch digitaler Natur sind, aber im Netz ebenfalls rezipiert werden, fanden eine Bühne. Die netzpolitischen Themen waren jedoch von einer homogenen Stimmung geprägt: die des Pessimismus und der Enttäuschung. Zu wenig werde die Stimmung der Netz-Community gehört, monierte die Community. Sascha Lobo forderte die Netz-Community auf, anstatt zu Jammern, sich für eine konstruktivere, zukunftsorientierte  Partizipationsform zu engagieren. 

Eine der entscheidenden Schritte, um ein neues Politikmodell zu entwickeln, in dem Regierungen, Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und die technische Community auf gleichberechtigter Ebene miteinander kooperieren, war die Konzeption des Multistakeholder Modells, das die UN mandatierte Working Group on Internet Governance (WGIG) 2005 entwickelte und von Institutionen wie ICANN, die Internet Engineering Task Force (IETF) oder dem Internet Governance Forum (IGF), sowie dem Internet und Gesellschaft Co:llaboratory zum Teil bereits erfolgreich verwendet wird. Es ist nun an der Zeit über Governance-Modelle nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch auf nationaler und lokaler Ebene in Deutschland zu diskutieren. Leider bot die diesjährige re:publica kein einziges Panel zu diesem Thema an. Hoffentlich passiert das 2014.

Für mich war die re:publica 2013 beeindruckend in Größe und Qualität und Nettigkeit. Es gab dieses Jahr so viele Einreichungen zu Bildungsthemen wie nie zuvor, eigentlich hätte man alleine damit schon 4 Tage füllen können. Ein Highlight war für mich der Vortrag von Andreas Schleicher und die anschließende Konkretisierung von Lisa Rosa. Beide haben gezeigt, wie akut und relevant Fragen der ‚digitalen Gesellschaft‘ auch jenseits von Technologie sind.

– Jöran Muuß-Merholz, Experte der 7. Initiative “Lernen in der digitalen Gesellschaft”

Die ehemalige Bloggerkonferenz ist mittlerweile umgetauft in Gesellschaftskonferenz und spiegelt insofern wohl einen Querschnitt der „Digitalen Gesellschaft“. Diese besteht – wie kann es anders sein – auch aus Familien, die auf der re:publica sichtbar wurden, indem einige Eltern ihre Kinder einfach mitbrachten. Dass das trotz postulierter These der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ weder im professionellen Umfeld noch auf Konferenzen selbstverständlich ist, ist oft genug traurige Realität. 

Umso mehr freute mich persönlich beispielsweise der Anblick eines Vaters, der auf dem sogenannten Affenfelsen sein Baby fütterte oder die gelassene Toleranz von leicht quengeligen Kleinkindern in so mancher Session. Sicherlich nicht ganz unschuldig an dem kinderfreundlichen Klima sind Tanja und Johnny Haeusler als Organisatoren, die mit ihrem sehenswerten Netzgemüse-Rant ihr Engagement für die Kinder und Jugendliche deutlich machten. Ich jedenfalls habe meinem Sohn versprochen, ihn im nächsten Jahr zur re:publica mitzubringen!

Die re:publica hat sich weiterentwickelt und wandelt sich von einer Digitalkonferenz einer kleinen Netzgemeinde zum Kommunikationsplatz über das Digitale. Im Vergleich zu den Vorjahren ist mir besonders aufgefallen, dass das Publikum diverser geworden ist und immer mehr Menschen von außerhalb der Netzgemeinde kommen, um sich mit den unterschiedlichsten Expertinnen und Experten zu vernetzen.

Ulrike Höppner, Vorsitzende des Internet und Gesellschaft Co:llaboratory e.V.

Ich halte die re:publica 2013 für eine gelungene Konferenz mit vielen spannenden Inhalten und einer im Vergleich zum letzten Jahr nochmal deutlich besseren Organisation, nicht nur wegen des WLANs. Zwar denke ich, dass die Themenauswahl im Programm teilweise nicht ausgewogen genug ist und viele wichtige Themen nicht zur Sprache kamen, aber insgesamt war das ein guter Wurf. Ich bin froh, dass wir als Co:llaboratory einen Stand hatten. Das bot uns die Gelegenheit mit vielen Menschen persönlich ins Gespräch zu kommen, unser Konzept und die Entwicklungen der letzten Monate zu erläutern und Ideen einzufangen.

Sebastian Haselbeck, Geschäftsführer des Internet und Gesellschaft Co:llaboratory e.V.
Weitersagen:Share on LinkedInTweet about this on TwitterShare on FacebookBuffer this pageShare on Google+
Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

Digital Public Affairs Fellow, Collaboratory e.V.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.